Digitalstrategie

AGRAVIS nutzt die Chancen der digitalen Transformation

Die AGRAVIS möchte diese Chancen für ihre Kunden nutzbar machen und hat deshalb eine Digitalstrategie entwickelt.

„myfarmvis“ als zentrale Plattform

Die Anforderungen der Genossenschaften an eine gemeinsame Plattform wie die Wahrung der eigenen Identität und Datensicherheit sind nach Überzeugung der AGRAVIS mit „myfarmvis“ zu lösen. Um das Projekt erfolgreich umzusetzen, hat die AGRAVIS eine verzahnte Organisation definiert, in der Digitalexperten zusammen mit Vertretern der operativen Bereiche die Digitalprodukte weiter ausbauen.

Vorrangiges Ziel ist es, die digitalen Schwerpunkte der AGRAVIS, die heute Insellösungen sind, wie Webshops, Beratung und Services sowie das Daten- und Informationsmanagement, in der zentralen Plattform „myfarmvis“ zu bündeln. Dieses Portal wird derzeit auch als zweistufiges genossenschaftliches Modell ausgebaut. Die integrative Einbindung der „myfarmvis“-Lösung wird im Jahr 2019 mit ersten Genossenschaften getestet werden.

Die bereits erfolgreich im Markt eingeführte Software Delos, die der AGRAVIS-Partner Odas entwickelt hat, wird der zentrale Digitalbaustein der operativen Landwirtschaft.

Darüber hinaus werden weitere Produkte der AGRAVIS wie NetFarming in diesen Bereich fallen. Das Produkt Delos wird von Odas wie bisher auch weiterhin als Stand-alone-Lösung für Vertriebspartner wie Primärgenossenschaften im Markt zur Verfügung gestellt. „Auch für die Digitalisierung bietet der genossenschaftliche Verbund wesentliche Vorteile“, unterstreicht Maria-Johanna Schaecher, als Vorstandsmitglied unter anderem für die Digitalisierung zuständig. Der gemeinsame genossenschaftliche Erfolg ist ein wesentliches Element der AGRAVIS-Strategie.


Interview mit Maria-Johanna Schaecher, Mitglied des Vorstandes der AGRAVIS Raiffeisen AG

Digitalstrategie AGRAVIS Maria-Johanna Schaecher Maria-Johanna Schaecher, Mitglied des Vorstandes der AGRAVIS Raiffeisen AG

Welche Perspektiven bietet die Digitalisierung des Landhandels aus Kundensicht?

Maria-Johanna Schaecher: Die Digitalisierung bietet große Chancen, zusätzlich zu den analogen Angeboten Mehrwert-Konzepte für die Kunden zu entwickeln, die speziell auf ihre Belange zugeschnitten sind – hinsichtlich Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Bedienungsfreundlichkeit. Und wenn sie dann auch noch Spaß machen, umso besser. In der digitalen Welt hat der Kunde verstärkt die Möglichkeit, Preise und Leistungen verschiedener Anbieter zu vergleichen. Anbieter werden Schnittstellen zwischen den Produkten und Dienstleistungen entwickeln, um Potenziale möglichst umfassend zu heben. Erhebliche Chancen ergeben sich zudem aus der Skalierbarkeit von digitalen Geschäftsmodellen, auch mit Blick auf eine internationale Ausdehnung.

Der genossenschaftlich organisierte Agrarhandel ist hier in einer guten Ausgangsposition, weil er Zugang zum Kunden hat, über seine Bedarfe informiert ist, den Zugriff auf die Ware hat und eine starke Beratungsleistung bietet. Neue Player müssen sich diesen Zugang erst erarbeiten. All das gilt es, intelligent zu vernetzen – und zwar zeitnah, um dann die genannten Mehrwert-Konzepte für den Kunden erkennbar zu machen und sie ihm anzubieten. Dabei ist es für uns als AGRAVIS wichtig, dass wir die Schnittstellen zu den Genossenschaften so aufstellen, dass es uns gelingt, das Zusammenspiel von „zwei Stufen – ein Prozess“ auch im digitalen Umfeld des genossenschaftlichen Handelns zu leben und zu realisieren.

Hier sind wir als AGRAVIS gefordert, Lösungen für und gemeinsam mit den Genossenschaften zu entwickeln. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, die Schnittstellen in der Wertschöpfungskette zur vor- und nachgelagerten Industrie auszubauen – allein schon wegen des Themas Transparenz in der Lebensmittelsicherheit, aber auch aus Gründen der Prozessoptimierung.

Sehen Sie den digitalen Handel von Betriebsmitteln als eine stete Weiterentwicklung der üblichen Handelsformen oder als eine Disruption – also eine Entwicklung, die den altbekannten Handel verdrängt?

Maria-Johanna Schaecher: Ich würde hier nicht von einer disruptiven Entwicklung sprechen, denn niemand kann den Landwirten vorschreiben, auf welche Weise sie künftig ihre Betriebsmittel ordern. Digitale Kanäle werden aber immer weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig werden analoge Services nicht von heute auf morgen verschwinden. Die persönliche Betreuung hat auch im digitalen Zeitalter ihren Mehrwert. Allerdings wird auch diese weiter digitalisiert. Ob in Form von WhatsApp-Nachrichten oder Youtube-Videos – die Übermittlung von Informationen erfolgt über immer mehr Kanäle.

Der stationäre Agrarhandel wird nicht verschwinden. Digitale Dienstleistungen und Beratungsangebote bilden daher eine Erweiterung unseres Kerngeschäfts. Die Digitalisierung ermöglicht es, dass der Kunde von uns aktiv über die von ihm definierten Kanäle wie E-Mail, Smartphone oder Kundenportal kontaktiert wird. In einem Unternehmen wie der AGRAVIS mit einem enorm hohen Dienstleistungsfaktor, mit Kundennähe, mit regionaler Stärke und internationaler Ausrichtung werden kompetente, motivierte Mitarbeiter das wichtigste Pfund bleiben. Sie bieten den Kunden überzeugende analoge und digitale Lösungen an. So kann der Kunde frei wählen.

Welche Weichen stellt die AGRAVIS als leistungsstarker, kundennaher Agrarhändler für den Ausbau der digitalen Landwirtschaft?

Maria-Johanna Schaecher: Die AGRAVIS verfügt seit Jahren über Kompetenzen im digitalen Bereich. Dort bieten wir unseren Kunden die gleiche Beratungs- und Produktqualität wie an unseren Standorten in den verschiedenen Regionen Deutschlands – sei es E-Commerce wie unser Onlineshop raiffeisenmarkt.de, Apps wie die Pflanzenbau-App IQ-Plant oder Angebote für Precision Farming durch die Tochtergesellschaft AGRAVIS NetFarming GmbH.

Auch im Landtechnikgeschäft mit der Plattform atc-trader.com, den Online-Auktionen auf ab-auction.com und neuerdings dem Portal agravis-mietpark.de sind wir online sehr erfolgreich. Und auf das Feld des digitalen Betriebsmittelmarktes zahlt unser Portal für die Landwirtschaft „myfarmvis“ in Ansätzen schon jetzt ein. Dieses Portal schafft im Verbund mit Genossenschaften Mehrwerte für die Kunden. Ziel ist es, dass der Landwirt seine gesamten Geschäftsbeziehungen zur AGRAVIS und zum genossenschaftlichen Handelspartner über das Portal abbilden kann. Wir bedienen also alle Kanäle und erreichen mit dieser Omnichannel-Strategie die Kunden mit unseren Dienstleistungen überall da, wo sie danach verlangen.